Rothe Erde

Hüttenwerk Aachen 1884 (Foto Rheinische Industriekultur)
Hüttenwerk Aachen 1884 (Foto Rheinische Industriekultur)

Nein, kein Schreibfehler: Rothe Erde wird mit "h" geschrieben. Aber das war schon lange so. Warum weiß niemand mehr genau.

Es gab auf jeden Fall seit dem Mittelalter einen Gutshof mit dem Namen Rode Erde. Eine andere Erklärung ist von gerodeter Wald bzw. Erde.

 

Das war auf jeden Fall Jahrhunderte vor der Stahlindustrie. Deshalb ist rote Erde (von Schlacke) nicht zutreffend.

 

 

Innerhalb von etwa 120 Jahren gab es den Aufstieg der Stahlindustrie im Stadtteil. Ab ca. 1845 begann die Stahlproduktion. am folgenden Beispiel, kann man die Schwierigkeiten erkennen. Aber erschwerend hinzu kommen die sozialen Probleme, die aus den Gründungen und Stillegungen einzelner Industriekomplexe entstanden. Das Wort Arbeiter kommt nicht einmal vor:

 

Die Gründung der OHG "Piedboeuf & Co. Aachener Walz- und Hammerwerk" erfolgte zum Jahresende 1845 mit einem Gesellschaftskapital von 110.000 Thl. Nach dem Erwerb des Landgutes "Rothe Erde" in der Bürgermeiserei Forst mit einer Grundfläche von 33 Morgen, 144 Ruten und 136 Fuß zum Preis von 12.000 Thl. am 26.1.1846 und der Übertragung eines benachbarten Grundstückes, das Neumann bereits am 11.11.1845 gekauft hatte, an die Gesellschaft, wurde bereits zu Beginn des Jahres 1846 mit dem Bau der Anlagen begonnen.


Hüttenwerk Rothe Erde 19. Jahrhundert (Foto Etsch, Luxg.)
Hüttenwerk Rothe Erde 19. Jahrhundert (Foto Etsch, Luxg.)

 

Die Wirtschaftskrise der späten 1840er und frühen 1850er Jahre traf das neue Werk "Rothe Erde" jedoch wesentlich härter als die übrigen Werke im Untersuchungsraum. Nachdem am 11.5.1847 die Inbetriebsetzung des Werkes erfolgt war und man im gleichen Jahr bereits 8.680.074 Ztr.  Roheisen verarbeitet hatte, waren es 1849 nur noch 5.127.724 Ztr.

Der starke Preisverfall für Stab- und Walzeisen inklusive Eisenbahnschienen, die wichtigsten Fertigwaren des Werkes, um ca. 25% führte 1850 zur Stilllegung der Produktion.    

 

(aus  Studie zur Entwicklung der Aachener Industrie)

 

Ein Blick aus luftigen Höhen über Werk und Ostviertel   (rechts erkennt man einen Zug vor der Nadelfabrik und den hohen Kirchturm der Josefskirche)
Ein Blick aus luftigen Höhen über Werk und Ostviertel (rechts erkennt man einen Zug vor der Nadelfabrik und den hohen Kirchturm der Josefskirche)
Riesige Lagerplätze für Form- und Walzeisen an der Rheinischen Eisenbahn. Jenseits der Schienen erkennt man den Reichsweg und das Ostviertel . (4 Fotos Stadtarchiv Aachen)
Riesige Lagerplätze für Form- und Walzeisen an der Rheinischen Eisenbahn. Jenseits der Schienen erkennt man den Reichsweg und das Ostviertel . (4 Fotos Stadtarchiv Aachen)

 

 

In den folgenden Jahren entstehen neue Fabriken. Diese produzieren technologisch auf hohem Niveau. Auch der Mengenausstoß ist enorm. 1918 ist Schluss mit der Produktion. Mit dem Wegfall des Elsaß, der Belgischen Gebiete und Luxemburg wird der Aachener Industrie der Absatz einerseits, und der Rohstoffmarkt andererseits entzogen. Heftige Streiks für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen verhindern nicht die Schließung der Anlagen in den 1920 Jahren. Lange hält sich die Mähr, die Streiks hätten zur Schließung der Fabriken geführt. Das ist aber Unsinn. Die Produktion und Werke werden nach ARBED (Luxemburg), außerhalb des belgisch besetzten Rheinlandes, verlegt. 1926 werden die Fabrikanlagen schließlich demontiert.

 

 

Hier wurde eine Menge Schrott verwertet- Rothe Erde verfügte zuletzt über sechs Öfen mit einer jährlichen Kapazität von 200 000 Tonnen Rohstahl
Hier wurde eine Menge Schrott verwertet- Rothe Erde verfügte zuletzt über sechs Öfen mit einer jährlichen Kapazität von 200 000 Tonnen Rohstahl
Thomas-Stahlwerk III, errichtet im Jahr 1905 - Es war eines der größten und modernsten seiner Art in Deutschland
Thomas-Stahlwerk III, errichtet im Jahr 1905 - Es war eines der größten und modernsten seiner Art in Deutschland

 

 

Nach der Schließung der Hütte erwarb ein findiger Geschäftsmann die noch vorhandenen Schuttberge, um die Schlacke zukünftig als Original Aachener Rothe Erde für Sportplätze in ganz Europa, darunter das Berliner Olympiastadion von 1936, aber auch das ehemalige Fußballstadion von Borussia Dortmund, das Stadion Rothe Erde, zu vermarkten.

 

An Stelle des Stahlwerks etabliert sich Englebert, die Reifenfabrik. Diese gibt es heute noch, nur mit anderem Besitzer.

 

Unter anderem kam Philips mit mehreren Werken. Mittelweile sind auch von diesem Werk wesentliche Teile verlagert.

 

 

Richtfest Philips Valvo 1954 (Foto radiomuseum.org)
Richtfest Philips Valvo 1954 (Foto radiomuseum.org)

Geschichte entwickelt sich weiter. Im Rahmen von Elektromobilität kommt es auf dem ehem. Philips-Gelände zur Ansiedlung eines Werkes für Elektrofahrzeuge.

 

Eine Gruppe von Universitätswissenschaftlern, entwickelte ein E-Fahrzeug: e.Go Life.

Dies soll ab 2018 auf dem ehemaligen Philips-Geländes montiert werden. Nach Angaben der Firma sollen 140 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Es ist sogar geplant, einen e.Bus zu produzieren.

 

 

Die Zahl von Arbeitsplätzen, die früher gab, wird auf absehbare Zeit nicht mehr entstehen.

 

 

 

 

 


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